Hildegard Taferner – Naturweg
Gesund und nährstoffreich gegessen – und trotzdem kommt zu wenig in deinem Körper an?
Ernährungsgewohnheiten und Darm

Gesund und nährstoffreich gegessen – und trotzdem kommt zu wenig in deinem Körper an?

Hildegard Taferner 4 Min. Lesezeit

Gesund und nährstoffreich gegessen – und trotzdem kommt zu wenig in deinem Körper an?

Welche Rolle deine Verdauung bei der Nährstoffaufnahme spielt – und warum es sich lohnt, bei einer unzureichenden Versorgung auch auf den Darm zu schauen.

Du achtest auf deine Ernährung, kaufst bewusst ein und bringst regelmäßig nährstoffreiche Lebensmittel auf den Teller. Trotzdem fühlst du dich häufig müde oder wenig belastbar. Vielleicht kommen Blähungen und ein unangenehmes Völlegefühl dazu. Oder ein Blutbefund zeigt, dass deine Nährstoffversorgung nicht ausreichend ist.

Das wirft Fragen auf. Schließlich war der Einkaufskorb vorbildlich gefüllt.

Eine bewusste Ernährung ist eine wichtige Grundlage. Doch auch die Verdauung und Aufnahme entscheiden mit darüber, was dein Körper davon nutzen kann.

Vom Teller in den Körper

Mit dem Kauen und Schlucken ist die Arbeit längst nicht erledigt. Magensäure, Verdauungsenzyme und Galle helfen dabei, die Nahrung aufzuschließen. Der Hauptschauplatz der Nährstoffaufnahme ist anschließend der Dünndarm. Seine vielfach gefaltete Oberfläche ermöglicht, dass Nährstoffe aufgenommen und über Blut oder Lymphe weitertransportiert werden.

Dabei hat jeder Nährstoff seine Besonderheiten: Eisen wird vor allem im oberen Dünndarm aufgenommen. Vitamin B12 benötigt einen im Magen gebildeten Transportpartner, den sogenannten Intrinsic Factor. Für die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K ist eine funktionierende Fettverdauung wichtig.

„Ist doch alles im Essen drin“ ist also erst die halbe Geschichte. Aufbereitung, Transport und Aufnahme müssen ebenfalls funktionieren.

Wenn auf diesem Weg etwas stockt

Eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme kann verschiedene Ursachen haben. Produziert die Bauchspeicheldrüse beispielsweise zu wenig Verdauungsenzyme, wird Nahrung möglicherweise nicht ausreichend aufgeschlossen. Bei einer unbehandelten Zöliakie können die Darmzotten geschädigt werden. Auch eine Dünndarmfehlbesiedelung kann unter bestimmten Umständen die Versorgung beeinträchtigen.

Wichtig ist, diese Zusammenhänge auseinanderzuhalten: Eine veränderte Zusammensetzung des Darmmikrobioms bedeutet nicht automatisch eine Dünndarmfehlbesiedelung. Ebenso ist eine veränderte Darmbarriere, häufig unter „Leaky Gut“ besprochen, nicht mit einer Resorptionsstörung gleichzusetzen.

Nicht jede Blähung beweist einen Nährstoffmangel. Und nicht jeder Nährstoffmangel entsteht im Darm. Auch eine zu geringe Zufuhr, ein erhöhter Bedarf oder Verluste können dahinterstecken. Deshalb lohnt sich die Frage: Was fehlt – und warum?

Gesund gegessen und trotzdem erschöpft

Eine Frau Mitte dreißig sucht Unterstützung wegen Blähungen, eines ständigen Gefühls des Aufgedunsenseins und ausgeprägter Erschöpfung. Morgens gibt es einen Proteinshake, zwischendurch Skyr, dazu reichlich rohes Obst und Gemüse. Kohlenhydratreiche Lebensmittel lässt sie weitgehend weg.

Ihr Speiseplan klingt nach Fitnessmagazin. Ihr Wohlbefinden hält sich leider nicht daran.

Dieses fiktive Beispiel zeigt, warum genaueres Hinschauen sinnvoll ist: Isst sie ausreichend und abwechslungsreich? Welche Ballaststoffquellen kommen vor? Was verträgt sie tatsächlich gut? Wie sehen Essrhythmus, Stress und Erholung aus?

Eine ganzheitliche Anamnese hilft, diese Fragen zusammenzuführen. Blutbefunde und gezielte ärztliche Untersuchungen können eine mögliche Unterversorgung und ihre Ursachen abklären. Je nach Fragestellung können ergänzende Stuhluntersuchungen Informationen liefern. Ein Flora-Status oder eine molekulargenetische Mikrobiomuntersuchung beantwortet jedoch nicht alle Fragen und weist allein keine Resorptionsstörung nach.

Die Mitte im Blick

In meiner Arbeit ergänze ich die ernährungswissenschaftliche Perspektive durch die TCM. Sie betrachtet Verdauung und Versorgung mit dem traditionellen Bild einer starken „Mitte“ und bezieht das individuelle Wärme- und Kälteempfinden ein.

Wer häufig friert, kann sich aus TCM-Sicht an warmen Mahlzeiten und wärmenden Zutaten orientieren. Wer dagegen schnell Hitze empfindet, braucht nicht zusätzlich überall Ingwer und Chili. Hier können mild zubereitete Speisen mit thermisch erfrischend eingeordneten Zutaten besser passen. Auch diese dürfen gekocht sein: Die thermische Einordnung meint nicht einfach die Temperatur auf dem Teller.

Gesund heißt außerdem nicht automatisch gut verträglich. Welche Lebensmittel, Mengen oder Kombinationen Beschwerden auslösen, betrachten wir individuell. Ein Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll kann helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen. Eine Unverträglichkeit bedeutet dabei nicht automatisch eine Schleimhautschädigung.

Ziel ist eine vielseitige, bedarfsgerechte und bekömmliche Ernährung. Der Speiseplan soll schließlich kein Ausschlussverfahren werden.

Genauer hinschauen und gezielt unterstützen

Bei einer festgestellten Unterversorgung können Nahrungsergänzungen sinnvoll und notwendig sein. Auswahl, Dosierung und Dauer sollten zum tatsächlichen Bedarf passen. Gleichzeitig verdient die Ursache Aufmerksamkeit.

Auch eine Kapsel muss ihren Inhalt für den Körper verfügbar machen. Bei einer Aufnahmestörung können deshalb je nach Ursache eine gezielte Behandlung und angepasste Formen der Nährstoffzufuhr erforderlich sein.

Gut versorgt zu sein bedeutet mehr, als einzelne Nährstoffe zu ergänzen. Ernährung, Verdauung, individueller Bedarf und Lebenssituation gehören zusammen. Genau dort setzt mein ganzheitlicher Ansatz an: Zusammenhänge erkennen und passende Schritte entwickeln, die im Alltag umsetzbar sind.

Dein Novemberimpuls

Bei uns in der Südsteiermark beginnt jetzt die Nebelsaison. Die Landschaft wird stiller, die Tage werden kürzer. Vielleicht eine Einladung, selbst einen Gang zurückzuschalten.

Eine Mahlzeit in Ruhe genießen, kleine Pausen zulassen und darauf achten, was dir bekommt – das darf ein Anfang sein. Selbstfürsorge braucht schließlich keine zusätzliche To-do-Liste.

Als Anregung findest du unten meine kostenlose PDF mit zwei warmen Rezepten, einem Beobachtungsblatt für drei Tage und einer kurzen Orientierung zur Nährstoffversorgung.

Gratis PDF hier herunterladen

https://drive.google.com/file/d/1arYBrmNUH5a0pZbdIjPjdeV2ppsguOnT/view?usp=drive_link

Ich wünsche dir einen schönen November mit gutem Essen, wohltuenden Rückzugsmomenten und Zeit zum Durchatmen – bevor die Weihnachtszeit wieder Tempo aufnimmt.

Herzliche Grüße aus der Südsteiermark
Hildegard Taferner
Praxis Natur-Weg

Hildegard Taferner

Über die Autorin

Hildegard Taferner ist diplomierte Ernährungstrainerin in Gamlitz, Südsteiermark. Ganzheitlich, mit Wissen aus Fünf-Elemente-Ernährung, heimischer Kräuterkunde und sanfter Diagnostik.

Mehr über Hildegard erfahren

Lust auf mehr Impulse?

Einmal im Monat schicke ich dir Wissen aus der Praxis: Darmgesundheit, saisonale Rezepte und Kräutertipps – kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Einmal im Monat, kostenlos, jederzeit abbestellbar. Versand über Brevo, Anmeldung mit Bestätigungsmail (Double-Opt-in). Geschützt durch reCAPTCHA (Datenschutz, Nutzungsbedingungen).